Beratungsverständnis

Was ist Beratung?
 

Der Begriff Beratung beschreibt ein formalisiertes, institutionalisiertes Gespräch zwischen Ratsuchenden und einer beratenden Person. Beratung soll durch fachliches und prozedurales Wissen der beratenden Person die Handlungs-, Lösungs- und Entscheidungsmöglichkeiten für das Anliegen der Rat suchenden Person (wieder-)herstellen. Sie hat das Ziel, durch Hilfestellung und kreative Problemlösung Unsicherheit als Folge von Nichtwissen, Nichtverstehen, Komplexität, Widersprüchlichkeiten oder Neuerungen zu verringern bzw. aufzulösen und die Problemlösefähigkeit und Entscheidungskompetenz der Ratsuchenden zu fördern.

Durch kognitiv-emotionale Einsicht und aktives Lernen sollen Ratsuchende in ihrer Selbststeuerung gefördert und ihr Handlungsrepertoire erweitert werden. Ratsuchende werden als eigenverantwortliche Individuen begriffen, die selbst entscheiden, auf welche Ressourcen der beratenden Person sie zurückgreifen möchten. Ziel der Beratung ist es demnach nicht, Ratsuchenden eine fertige Lösung ihres Problems zu präsentieren, sondern sie im Lösungsprozess zu begleiten.


Professionelle Beratungskompetenzen umfassen

  • Fachliche Kompetenzen, d.h. Wissen über Sachverhalte, Strukturen und Prozesse
  • Emotionale Kompetenzen, d.h. Fähigkeiten zum Beziehungsaufbau
  • Gesprächsführungskompetenzen, d.h. kommunikative Fähigkeiten zur Informationsgewinnung und Problemanalyse sowie
  • Überweisungskompetenz, d.h. Wissen über Zuständigkeiten und Aufgaben

 


 

Zu den Eckpunkten des Beratungsverständnisses des Nationalen Forums Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung[1] gehören folgende Grundsätze:

 

  • Berater*innen agieren professionell. Dies beinhaltet ein explizites Beratungssetting mit Rahmung, Anliegenklärung und Transparenz.
  • Die Beratung ist gekennzeichnet durch eine freiwillige, interessensensible und ergebnisoffene Interaktion zwischen einer*m Ratsuchenden und einer*m Berater*in.
  • Im Zentrum der Beratung steht die Rat suchende Person mit ihren Interessen, Anliegen, Fragen und Lebensumständen.
  • Die Beratung bietet nicht nur verlässliche Informationen zu studienbezogenen Aspekten, sondern umfasst auch eine individuelle Reflexion von Sachverhalten, die u. a. eine begründete Entscheidungsfindung bzw. Lösungsoption seitens der*des Ratsuchenden ermöglicht.

 

Erkennen Sie als Berater*in an, dass Sie und Ihr Gegenüber die Wirklichkeit durch unterschiedliche "Brillen" sehen:
 

  • Jeder Mensch nimmt die Realität durch die „eigene Brille“ wahr und wählt bewusst oder unbewusst jene Aspekte der Wirklichkeit aus, die für sie*ihn in einer bestimmten Situation relevant sind
  • Unsere Wahrnehmung und Interpretation von Situationen ist maßgeblich durch unsere Sozialisation, unsere Erfahrungen, Werte und Einstellungen geprägt
  • Das Inselmodell der Kommunikation soll zeigen, dass Menschen, die miteinander kommunizieren, auf ihrer eigenen „Inselwelt“ leben, d.h. mit ihren ganz eigenen Werten, Interessen und Einstellungen in ein Gespräch gehen. Meine Werte, Interessen und Einstellungen müssen nicht unbedingt mit den Ihren übereinstimmen. Wenn es gelingt, zwischen diesen Inseln eine Brücke der Kommunikation zu schlagen, kann ein Verständnis für die Welt des anderen erreicht und eine erfolgreiche Kommunikation ermöglicht werden.
  • Gewinn: Gute Kommunikation gelingt dann, wenn es gelingt, die eigene Wirklichkeit mitzuteilen, die Wirklichkeit des anderen zu erfassen und die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen beiden Wirklichkeiten zu erkennen und zu berücksichtigen.

[1]Petersen, C. M., Schiersmann, C., & Weber, P. C. (2014). Professionell beraten: Kompetenzprofil für Beratende in Bildung, Beruf und Beschäftigung. Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung e.V. (nfb), Forschungsgruppe Beratungsqualität am Institut für Bildungswissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg.